Der ehemalige Bundesumweltminister und Chef des UNO-Umweltprogramms UNEP, Klaus Töpfer, sprach auf den Expertentagen des Allianz Zentrum für Technik über Energie und Klima. Allianz.com News befragte ihn über ein künftiges Klimaabkommen und wie sich Klimaschutz und Entwicklung verknüpfen lassen.
Es muss die Frage der Adaption, der Anpassung an den Klimawandel, auch in den Entwicklungsländern weitreichend regeln. Und es muss die flexibilisierenden Instrumente, also den Handel mit Kohlendioxid, und die Zusammenarbeit zwischen hochentwickelten und Entwicklungsländern auf dem Gebiet der Energie sehr viel effizienter machen als bisher.
Auf jeden Fall muss erreicht werden, dass wir die Emissionsminderung um über 50 Prozent bis zum Jahr 2050 nicht als unverbindliche Zahl vor uns hertragen, sondern mit konkreten Maßnahmen umsetzen können.
Außerdem brauchen auch China und Indien Energien, die nicht kohlenstoffhaltig sind. Die anderen werden knapper und teurer und begrenzen damit das wirtschaftliche Wachstumspotential solcher Länder, die sich wirtschaftlich entwickeln müssen, um Armut zu bekämpfen. Auch hier wird also aus wirtschaftlichem Interesse die gemeinsame Suche nach nicht-kohlenstoffhaltigen Energieträgern massiv zunehmen. Das gilt nicht nur für Kraftwerke, sondern auch im Mobilitätsbereich, der uns zunehmend herausfordert.
Aus der technologischen Zusammenarbeit heraus können wir gemeinsam gegen den Klimawandel vorgehen. Mit anderer Energie, besserer Technik, höherer Effizienz kann es gelingen, die wirtschaftliche Entwicklung mit einer Stabilisierung der Klimaentwicklung in Einklang zu bringen.
Der zweite Faktor ist, dass wir uns der Anpassung an den bereits stattfindenden Klimawandel verantwortlich erweisen. Auch das ist für viele Entwicklungsländer von größter Bedeutung.
Wir müssen dahin kommen, dass der gewinnt, der sich als erster bewegt: Es gibt ganz sicherlich eine deutliche Rendite für den, der mit neuen Technologien Frontrunner ist. Das kann man natürlich am besten, indem man die Vorteile statt der Nachteile sieht.
In den letzten Monaten ist es gelungen, dieses Gefühl sehr viel breiter in der Bevölkerung zu verankern. Das bleibt nicht mehr in den Zirkeln von Wissenschaftlern oder spezialisierten Politikern. Wenn die breite Öffentlichkeit so etwas herausfordert, dann wird auch die Politik sehr viel mobiler.
Diese Aussagen stehen, wie immer, unter unserem Vorbehalt bei Zukunftsaussagen, der Ihnen oben rechts zur Verfügung gestellt wird.

